Begleitband zur Ausstellung
„Gulag. Spuren und Zeugnisse 1929–1956“

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Gulag. Spuren und Zeugnisse 1929–1956

Herausgegeben von Volkhard Knigge und Irina Scherbakowa, im Auftrag der Gesellschaft „Memorial“ Moskau und der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora

Über Jahrzehnte stellten Erinnerungsberichte die einzig verlässliche Quelle zur Geschichte des stalinistischen Lagersystems dar. Insbesondere Warlam Schalamows Erzählungen aus Kolyma, Alexander Solschenizyns Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch und Jewgenija Ginsburgs Marschroute eines Lebens prägten lange Zeit die Sicht auf das System der Straflager in der Sowjetunion, das mit Erscheinen von Solschenizyns Buch Der Archipel Gulag auf einen prägnanten Begriff gebracht worden war: Das Akronym Gulag meinte nun nicht mehr nur die sogenannte Hauptverwaltung Lager (Glawnoje Uprawlenije Lagerei) – die Administration des Verfolgungsapparates –, sondern das Verfolgungssystem des stalinistischen Straflagers und die Inhumanität der politischen Repression in der Sowjetunion an sich.

In den letzten zwanzig Jahren hat sich der Kenntnisstand über den Gulag deutlich erweitert – nicht zuletzt durch die Tätigkeit der Gesellschaft „Memorial“, die seit Ende der 1980er Jahre Tausende von Erinnerungsberichten sammelte und auf Expeditionen an ehemalige Lagerstandorte Hunderte von Exponaten zusammentrug. Die Ausstellung „Gulag. Spuren und Zeugnisse 1929–1956“ zeigt erstmalig in Deutschland diese Überreste des sowjetischen Lagersystems. Mit Hilfe der Berichte ehemaliger Lagerinsassen werden diese Realien und Dokumente in der Geschichte des Gulag verortet. Eingerahmt von der Vorgeschichte der Lager im russischen Bürgerkrieg und ihrem Nachwirken in der unterdrückten Erinnerung an den Gulag nach 1956 entsteht ein bedrückendes Panorama des stalinistischen Straflagersystems, das dessen Charakteristika, auch im Unterschied zu anderen Lagersystemen des 20. Jahrhunderts, deutlich werden lässt.

Der Band dokumentiert den Gulag anhand signifikanter Exponate und präsentiert bislang unbekannte historische Fotos und Dokumente; Biografien ehemaliger Lagerhäftlinge zeigen die Bandbreite der Verfolgungsschicksale. Ergänzende wissenschaftliche Aufsätze von Nicolas Werth und Irina Scherbakowa führen ein in die internationale Forschung zur Geschichte des Gulag und beschreiben die Tätigkeit und die Sammlungen der Gesellschaft „Memorial“.

Gulag. Texte und Dokumente 1929-1956.

Neue Erkenntnisse zum System der Sowjetischen Straflager.
Wie erklären jüngste Forschungen den stalinistischen Terror und das System der sowjetischen Straf- und Zwangsarbeitslager? Welcher Sinn und welche Deutungen wurden ihm von der politischen Führung zu unterschiedlichen Zeiten zugeschrieben? Was steckte hinter dem Propagandaversprechen, die Lager dienten einer »Umerziehung durch Arbeit«? Was unterscheidet den Gulag von den nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslagern?

Solchen Fragen wird in diesem Band nachgegangen. Er enthält Forschungsergebnisse, die im Rahmen der Wanderausstellung »Gulag. Spuren und Zeugnisse 1929-1956« seit 2012 zum Teil erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurden. Russische und deutsche Experten analysieren in ihren Beiträgen zentrale Aspekte des nach der »Hauptverwaltung Lager« (Glawnoje Uprawlenije Lagerei, Gulag) benannten Systems politischer Verfolgung und Repression unter Stalin, das weit in die sowjetische Gesellschaft hinein reichte.
Zusätzlich wird die von der Gesellschaft »Memorial«, Moskau und der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora gemeinsam realisierte Gulag-Ausstellung mit einem Fotoessay dokumentiert.


E-Book zu "Gulag. Spuren und Zeugnisse 1929–1956"

Gemeinsam mit der Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn, veröffentlicht die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora in Kooperation mit „Memorial“, Moskau das E-Book „Gulag. Spuren und Zeugnisse 1929 – 1956“.
Auf der Grundlage kommentierter Quellen, Bild- und Tondokumente macht die multimediale Publikation die historische Entwicklung des Systems der stalinistischen Straf- und Zwangsarbeitslager in der Sowjetunion anschaulich begreifbar. Auf 275 Seiten werden signifikante Exponate präsentiert und eingeordnet. Mehr als 290 Abbildungen präsentieren bislang unbekannte Fotografien, Plakate und Dokumente. 38 Übersichten bieten eine systematische Information zu den Dimensionen des Gulag-Systems. Darüber hinaus werden 20 ausgewählte Biographien ehemaliger Lagerhäftlinge vorgestellt. Eine Besonderheit stellen dabei die 19 Audiosequenzen eingesprochener Berichte von Zeitzeugen dar, die auf berührende Weise die schriftlichen und dinglichen Überlieferungen ergänzen. Ergänzend enthält das E-Book wissenschaftliche Beiträge einschlägiger Experten zu unterschiedlichen Aspekten des Gulag-Systems.

GULAG. Spuren und Zeugnisse 1929–1956
Volkhard Knigge / Irina Scherbakowa / Julia Landau (Hrsg.)
multimediales E-Book zur Ausstellung

E-Pub optimiert für Android-Geräte
(ePub2, 235MB)

E-Pub optimiert für Apple-Geräte
(ePub3, 235MB)

E-Pub optimiert für Kindle-Geräte
(Mobi, 483MB)

Zur Ausstellung sind folgende Publikationen erhältlich:

Gulag. Spuren und Zeugnisse 1929-1956
Verlag Wallstein Verlag Göttingen
Umfang 155 Seiten mit über 150 z. T. farbigen Abb., 90 Seiten Präsentation der Ausstellung, 30 Seiten mit zwei wissenschaftlichen Beiträgen von Nicolas Werth und Irina Scherbakowa
Format Klappbroschiert, mit Fadenheftung
Preis € 14,90
ISBN 978-3-8353-1050-6

Gulag. Texte und Dokumente 1929-1956
Verlag Wallstein Verlag Göttingen
Umfang 216 Seiten mit 37 z. T. farbigen Abb.
Format Klappbroschiert, mit Fadenheftung
Preis € 14,90
ISBN 978-3-8353-1437-5

Die Publikationen können Sie über den Onlineshop der Gedenkstätte Buchenwald beziehen.

Hörstück zur Ausstellung

Einführung zur Ausstellung GULAG.

Einführung zur Ausstellung GULAG.